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Amnesty-AG

Wie sicher ist unser Frieden?

Sehen Sie sich dieses Video an.

Sie hören oder sehen es tagtäglich; Bilder der Zerstörung, Menschenmassen, die aus ihrer Heimat fliehen, um nicht sterben zu müssen und Regierungen, die über die Aufnahme der Geflüchteten diskutieren. Sie sitzen währenddessen am Frühstückstisch oder im Auto, trinken vielleicht Ihren Kaffee oder Kakao und diese Nachricht zieht an Ihnen vorbei, als hätten Sie nie davon gehört.

Die Vorstellung, dass uns diese Szenarien, die sich nicht weit entfernt von uns abspielen, größtenteils einfach kalt lassen und nur eine weitere alltägliche Information darstellen, ist erschreckend. Immerhin handelt es sich dabei um echte Menschen, die vermutlich bis vor ein paar Jahren noch ein ganz normales Leben geführt haben, vielleicht sogar wie Sie jetzt Kaffee zum Frühstück tranken. Und plötzlich war der friedliche Alltag vorbei und sie fanden sich in einer humanitären Katastrophe wieder, von der sie niemals geahnt hätten, ein Teil davon zu werden.

Im Rahmen des Weltflüchtlingstages wollen wir, die Amnesty AG, Sie über die Thematik aufklären und hoffentlich zum Nachdenken anregen.


„Das sind Flüchtlinge… oder?“

Das Wort „Flüchtling“ wird oft falsch verstanden oder im falschen Kontext verwendet. Tatsächlich sind Flüchtlinge jedoch Menschen, die aufgrund „der begründeten Angst vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Verfolgung aus dem Land geflüchtet sind, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen bzw. in dem sie ihren gewöhnlichen Wohnsitz haben. [Es] handelt […] sich also um jene Migrantinnen und Migranten, die vor Gewalt über Staatsgrenzen hinweg ausweichen, weil ihr Leben, ihre körperliche Unversehrtheit, Freiheit und Rechte direkt oder sicher erwartbar bedroht sind.“ (bpb)


„Welcher Weg führt zum Ziel?“ - Flüchtlingsrouten

Im groben Überblick gibt es drei Haupt-Flüchtlingsrouten, die sich jeweils in viele weitere aufteilen: die Balkanroute, Mittelmeerroute und Sahelroute.

Alle bringen eine sehr hohe Lebensgefahr mit sich, die letztendlich noch nicht einmal mit der sicheren Aussicht auf eine Aufnahme oder zumindest Unterbringung in einem stabileren Land belohnt wird.

Die Balkanroute bezeichnet die Fluchtroute, die von Flüchtenden benutzt wird, um vom Nahen Osten über den Balkan (Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Slowenien) nach Europa zu gelangen.

Die meisten Geflüchteten kommen aus Pakistan, dem Iran, Irak, Afghanistan und Syrien, aufgrund der dort herrschenden Konfliktsituationen. (Für mehr Informationen dazu, klicken Sie hier oder hier.)

Allein im Jahr 2015 reisten nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex über 760.000 Vertriebene auf der Balkanroute von der Türkei ausgehend über Griechenland nach Zentraleuropa. Nachdem im März 2016 Slowenien, Kroatien und Serbien ihre Grenzen schlossen und die bis dahin verwendete Balkanroute nicht mehr passierbar war, blieb den Flüchtlingen nichts anderes übrig, als nun über Albanien, Montenegro und Bosnien in die EU-Länder Kroatien und Italien zu gelangen. Zusätzlich wurde im gleichen Zeitraum das EU-Türkei-Abkommen beschlossen, wonach die Türkei ihre Grenzen nach Griechenland besser überwachen soll, damit weniger Menschen über die Ägäis-Inseln nach Europa flüchten können. In den  überfüllten Flüchtlingscamps an der Grenze zu Kroatien angekommen, harren die Schutzsuchenden monatelang unter elenden Bedingungen aus. Strom, fließendes Wasser und gute Hygienezustände gibt es dort nicht.

Noch gefährlicher als die Balkanroute ist jedoch die Mittelmeerroute.

In den drei Jahren von 2016 bis 2019 ertranken ca. 13 000 Menschen beim Versuch das Mittelmeer zu überqueren oder werden bis heute vermisst. Die Dunkelziffer ist allerdings noch sehr viel höher.

Die erschreckenden Zahlen von Toten und Vermissten verdeutlichen die unendliche Verzweiflung der Menschen, die ihr Leben bei einer Flucht über das Meer riskieren.

Denn sie fürchten sich mehr vor dem Verweilen in ihren Heimat- und Nachbarländern, als vor der Mittelmeerroute, da in ihrer Heimat jegliche Perspektiven zerstört wurden. In Europa sehen sie ihre letzte Hoffnung auf Schutz und einen Neuanfang. Darum wagen sie die Flucht in den Händen skrupelloser Schlepper*innen und seeuntauglichen sowie überladenen Schlauchbooten. Sehr viele unter ihnen werden Opfer von Gewalt und Ausbeutung.

Auch die Sahelroute fordert jährlich viele Menschenleben, denn einige ihrer Wege führen mitten durch die Wüste oder Konfliktzonen.

Zu der „Sahelzone“ gehören die Staaten Senegal, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, der Tschad und der Sudan. Von dort fliehen die Menschen aufgrund von örtlichen Konflikten oder wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit meist in Nachbarländer. Nur die Wenigsten nehmen die nördliche Route über Libyen in die Europäische Union. Auf ihrer Flucht erfahren sie Gewalt und Unmenschlichkeit durch Schmuggler, Menschenhändler, Milizen und in einigen Fällen sogar durch staatliche Vertreter. Viele erleben Inhaftierungen, Folter, Vergewaltigung und Totschlag auf ihrer harten Reise in ein besseres Leben.

Auf ihrem YouTube-Kanal berichtet „aliena.“ über die Geschichte von Wally, der im Alter von gerade mal 15 Jahren seine Heimat Gambia über die Sahelroute verlassen hat und seit April 2019 in Konstanz lebt. Dieser erzählt von der Brutalität und dem Machtmissbrauch der Grenzsoldaten sowie von Diskriminierung und Rassismus, welche er auf seinem langen Weg erleiden musste.

(Hier kommen Sie zum Video.)

Der UNHCR fordert die Möglichkeit einer legalen Migration für Vertriebene aus Konfliktgebieten plus eine stärkere Koordinierung und mehr Solidarität der EU-Mitgliedsstaaten sowie erhöhte Such- und Rettungskapazitäten und eine Regelung zur Anlandung.

Denn wenn die Grenzen stärker gesichert werden und gleichzeitig keine legalen Übergangsmöglichkeiten bestehen, begeben sich die Flüchtenden eher in die Hände von Schlepper*innen und nehmen Risiken für ihre persönliche Sicherheit in Kauf, was zu hohen Opferzahlen führt, die vermieden werden könnten.

„[…] der Schutz von Leben und grundlegenden Menschenrechten muss weiterhin Priorität haben. Die Rettung auf See ist ein humanitärer Imperativ und eine Verpflichtung nach dem Völkerrecht.“

 

„Endlich angekommen.“ „Und jetzt ?“- Flüchtlingslager

Seit im September 2020 im griechischen Flüchtlingslager Moria Brände ausgebrochen sind und das gesamte Lager zerstört haben, haben einige Bürger hierzulande zumindest den Anflug einer Ahnung davon, unter welchen unwürdigen Bedingungen die Menschen dort leben müssen. Sie leben in Zelten, in denen es nachts eiskalt wird und haben weder Strom noch fließendes Wasser. Auch die hygienischen Grundbedürfnisse sind dadurch nicht zu realisieren. Dass sich das Coronavirus dort ausbreitet wie ein Lauffeuer ist selbsterklärend. Das große Problem ist, dass dort abgesehen von mangelnder Hygiene und medizinischer Versorgung, u.a. Masken und Desinfektionsmittel, Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten schlichtweg unmöglich sind, da die Lager dafür zu eng besiedelt sind. Die Überlebenden des Brandes brauchen jedoch weiterhin Notunterkünfte, sanitäre Einrichtungen und grundlegenden Hilfsgüter damit sie nicht unter freiem Himmel schlafen müssen.


„Und was haben wir damit zu tun?“

Deutschland ist und war schon immer ein Einwanderungsland, auch wenn manchen dieser Titel nicht besonders zusagt. Tatsächlich geht ungefähr ein Drittel der Bevölkerung der alten Bundesrepublik auf Zuwanderung zurück, womit Deutschland weltweit an der Spitze der Zuwanderungsstatistik steht.

Lassen Sie uns außerdem an der Stelle nicht vergessen, dass vor gerade mal etwa 75 Jahren 12-14 Millionen Deutsche selbst Flüchtlinge waren, welche von der Roten Armee vertrieben wurden. Nimmt man noch die DDR-Flüchtlinge dazu, wird klar, dass wir als Deutsches Volk das Leid dieser Menschen eigentlich besser verstehen sollten, als es momentan der Fall ist.

„Na und ?“ Fragen Sie sich vielleicht. Der Grund weshalb wir sowie auch alle anderen EU Staaten unbedingt weiterhin mehr helfen müssen liegt nicht nur in unserer Vergangenheit. Es ist unsere moralische und humanitäre Pflicht diesen Menschen zu helfen, da wir unter anderem einer der Gründe für die Katastrophen anderorts sind.

Deutschland und auch andere EU Länder stellen beispielsweise Waffen her, die auf der gesamten Welt verkauft werden und auch in den Ländern Einsatz finden, aus denen einige unserer Flüchtlinge kommen. (Siehe hier und hier.)


„Was können wir tun um zu helfen?“

Wir können:

  • regional Helfen
  • Sprachtandem & Freundschaften knüpfen
  • Deutsch- und Integrationskurse unterstützen
  • Für Flüchtlinge in Deutschland übersetzen und dolmetschen
  • Unterkünfte für Flüchtlinge anbieten
  • Fakten über Flüchtlinge teilen und Vorurteilen entgegenwirken
  • private Sachspenden tätigen
  • international Helfen
  • über dieses Thema nachdenken, sprechen und sich informieren

Wenn Sie mehr wissen wollen, informieren Sie sich hier.

Wie Sie sehen gibt es einiges, das man tun kann, ohne direkt Geld spenden zu müssen. Das Wichtigste jedoch bleibt, dass man über die Situation dieser Menschen nicht vorschnell urteilt, sondern sich Gedanken darüber macht und Empathie zeigt, statt Angst und Feindlichkeit.

Denn letztendlich ist es grundlegend „[…] zu sehen, dass wir alle Menschen sind. Egal, ob du eine Behinderung hast, schwarz, rosa, grün, groß oder klein bist. Wer auch immer du bist, wir sollten uns gegenseitig respektieren.“ - Wally

J. Striebel / Amnesty-AG

 

Quellen:

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