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Amnesty-AG

Wie würdest du dich fühlen, wenn du ein Jobangebot ausgeschlagen bekommst nur weil dein Chef mitbekommen hat, dass du als Frau eine andere Frau geheiratet hast? 
Oder wenn du aus deiner Familie ausgeschlossen werden würdest, nur weil du dich mit langen Haaren und Röcken nicht mehr wohlfühlst.

Was auf den ersten Blick weit hergeholt erscheint, ist von der Realität leider nicht weit entfernt. Nach wie vor werden Homosexuelle und Trans*Personen diskriminiert, verfolgt, inhaftiert oder sogar hingerichtet. Eine breite Akzeptanz gegenüber Homosexuellen ist keineswegs selbstverständlich.

Wir möchten den Internationalen Tag gegen Homophobie und Transfeindlichkeit dafür nutzen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen,  denen viele LGBTQ+ (1) -Personen auch heute noch ausgesetzt sind.

Warum gibt es den „Internationalen Tag gegen Homo- & Transphobie?"

Am 17. Mai 1990 strich die WHO Homosexualität von der Liste der psychischen Krankheiten. Der 17. Mai wurde daraufhin zum Internationalen Tag gegen Homophobie ausgerufen. Die Tatsache, dass das gerade einmal 31 Jahre her ist, ist ziemlich erschreckend. Viel erschreckender ist es jedoch, dass Homosexuelle, sowie alle anderen Angehörigen der LGBTQ+ Community noch immer keine Akzeptanz in weiten Teilen der Gesellschaft finden. Obwohl die Akzeptanz gegenüber queeren (2) Identitäten in den letzten Jahren zunehmend gestiegen ist, gehören Gewalt, Anfeindung und Diskriminierung leider immer noch zum Alltag vieler.

Bei einigen Aktionen gegen Homo- und Transphobie wurden beispielsweise Aktivisten angegriffen. Aber Betroffene bekommen Diskriminierung nicht nur dann zu spüren, wenn sie sich für ihre Rechte einsetzen, sondern auch im Alltag. So gibt es beispielsweise einige Sportler und Schauspieler, die ihre Sexualität nicht offen ausleben können, da sie nach einem Outing weniger Angebote bekommen. Das erste Outing eines Profifußballers war somit erst im Jahre 2014.

Auch in anderen Bereichen wird der offene und unkomplizierte Umgang mit anderen Sexualitäten nicht wirklich gefördert: An vielen Universitäten ist es zum Beispiel extrem kompliziert für Trans* Personen, ihren Vornamen und Personenstand einheitlich ändern zu lassen. In mehr als der Hälfte der USA gibt es außerdem Gesetze, welche sich vor allem gegen Trans*Kinder richten und diese aus dem Schul- & Vereinssport ausschließen. Begründet werden sie mit dem Scheinargument „Gerechtigkeit“. Und allein der Fakt, dass Transidentität erst seit 2018 nicht mehr offiziell als Krankheit gilt, spricht Bände. Ebenso, dass das Gesetz, welches Heirat und Adoption eines Kindes von gleichgeschlechtlichen Personen erlaubt, erst ein Jahr zuvor in Deutschland erlassen wurde.

Es ist eine traurige Wahrheit, dass Diskriminierung an anderen Orten aber noch einmal ganz andere Ausmaße annimmt. Inzwischen hat sich zirka 1/3 Polens zur LGBTQ-freien Zone erklärt, was unter anderem bedeutet, dass sich Städte und Gemeinden offen homo- und transfeindlich zeigen, um die LGBTQ+ Community aus der Gesellschaft auszuschließen. Woher diese irrationale Angst vor dem vermeintlich „Andersartigen“ kommt, ist eine Frage, die sich jeder stellen sollte.

Und auch was man dagegen selbst unternehmen kann.

Viel wichtiger ist jedoch die Frage, warum diese Menschen nicht einfach einsehen können, dass wir letztendlich alle einfach nur Menschen sind – unabhängig von sexueller Orientierung und Geschlecht(-sidentität).

Hier findest du Zahlen, Fakten und Definitionen zum Thema als PDF-Download.

Was kann ich persönlich tun?

  • Benutze die richtigen Pronomen (4) und den (bevorzugten) Namen deines Gegenübers!
    Dies ist der einfachste, schnellste und wahrscheinlich auch der mächtigste Weg um zu sagen „Ich sehe dich. Ich unterstütze dich.“Sollte dir doch einmal ein Fehler passieren, ist es am besten, wenn Du dich einfach kurz entschuldigst, dich verbesserst und dann das Gespräch weiterführst, ohne einen großen Deal aus der Sache zu machen.
  • Informiere dich selbst!
    Es ist nicht die Aufgabe von Personen der LGBTQ+ Community, dich über LGBTQ+ - verwandte Themen aufzuklären. Dies ist deine Aufgabe. Besuche Websites wie

    https://lgbta.wikia.org/wiki/LGBTA_Wiki und
    https://www.thetrevorproject.org/resources/

          um dich über verschiedene Begrifflichkeiten, Sexualitäten und Geschlechtsidentitäten zu informieren.

  • Versuche deine Alltagssprache neutral zu gestalten!
    Dies ist gerade im Deutschen nicht immer leicht, da die deutsche Sprache sehr geschlechtlich geprägt ist. Dennoch ist es möglich, deine Sprache geschlechtsneutral zu gestalten, indem du in geschriebenen Texten beispielsweise ein Sternchen zwischen die männliche und weibliche Form setzt (z.B. Lehrer*innen).  Ein weiterer Weg, wie du deine Sprache neutral gestalten kannst, ist geschlechtsspezifische Begriffe zu vermeiden. So solltest du beispielsweise Menschen, die menstruieren auch als „Menschen, die menstruieren“ oder „Menstruierende“ bezeichnen, da nicht alle Frauen menstruieren und nicht jeder, der menstruiert, eine Frau ist.

  • Informiere andere!
    Ein guter Ally (5) zu sein, bedeutet nicht gleich, dass du vor tausenden von Leuten Reden halten musst. Schon kleinere Dinge, wie zum Beispiel jemanden beim richtigen Namen zu nennen und die richtigen Pronomen zu verwenden, können einen großen Unterschied für eine Person bedeuten. Dennoch wäre es wichtig, dass Du für queere Menschen einstehst, beispielsweise indem du andere korrigierst, wenn sie die falschen Pronomen verwenden, oder einschreitest, wenn andere jemanden aufgrund seiner Identität diskriminieren.

  • Zeige Respekt und Toleranz!
    Du musst die Identität einer Person nicht zu 100% verstehen, um diese zu akzeptieren und zu respektieren.


Definitionen:

(1) LGBTQ: Lesbian, Gay, Bi, Transgender, Queer
(2) Queer: Sammelbegriff für Personen, die nicht Heterosexuell und/oder Cisgender (3) sind
(3) Cisgender: Adjektiv, welches die Übereinstimmung von Geschlechtsidentität und dem Geschlecht, das einer Person bei der Geburt zugewiesen wurde, bezeichnet.
(4) Pronomen: Fürwörter, die anstelle des Namens einer Person verwendet werden (z.B. er/ihm, sie/ihr, … )
(5) Ally: Jemand, der Personen der LGBTQ+-Community unterstützt.


E. Krieg, V. Pohle und L. Wladarz / Amnesty-AG

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