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Amnesty-AG

Sollte es nicht selbstverständlich sein, in einer Welt zu leben, in der Frauen nachts ohne Angst nach Hause laufen können, sich nicht zwischen Karriere und Familiengründung entscheiden müssen und sich keine sexistischen Hassreden oder Cat-Calling gefallen lassen müssen? Der internationale Frauentag macht genau auf diese, leider doch noch so alltäglichen Probleme aufmerksam!

Auch wenn Frauen im deutschen Gesetzbuch gleichgestellt sind, erfahren sie im normalen Leben immer wieder Anfeindungen, Ungerechtigkeit, Gewalt und Diskriminierung. Das muss sich ändern!

*TRIGGER-WARNUNG*

Gewalt gegen Frauen

Auch dieses Jahr muss auf die Gewalt gegenüber Frauen hingewiesen werden.

  • Jede 3. Frau in Deutschland ist 2019 Opfer von sexueller und/oder physischer Gewalt geworden.
  • Nur jede 10. Betroffene sucht sich Hilfe.
  • 2 von 3 Frauen erleben in Deutschland sexuelle Belästigung.
  • Alle 4 Minuten wird in Deutschland eine Frau vergewaltigt.

Diese Zahlen sind im Jahr 2020 nochmal stark angestiegen, besonders durch die Zunahme an häuslicher Gewalt. Deshalb rufen wir eindringlich dazu auf, gerade in dieser Pandemie-Zeit, noch einmal mehr aufeinander Acht zu geben und die Zeichen von Gewalt gegen Frauen zu erkennen. Das folgende Handzeichen sollte jeder kennen: es gilt als stummer Hilferuf im Videochat, wenn eine Frau nicht frei sprechen kann und häusliche Gewalt droht.

Hass gegen Frauen im Internet

Es herrscht geradezu ein Übermaß an Hassrede allgemein und besonders gegen Minderheiten und Frauen auf sozialen Netzwerken. Nicht nur einzelne Personen, sondern auch bekannte Politiker*innen äußern sich vermehrt offen frauenfeindlich.

  • Donald Trump: „Greif ihnen zwischen die Beine. Und dann kannst du alles machen.“
  • Jr Doporto: „Ich will die Frauen nur vorwarnen. Sie haben Rechte! Ein Recht zu kochen und ein Recht zu putzen. Heute ist Sonntag, und die NFL-Playoffs stehen vor der Tür! Ich schlage vor, Sie hören während dieser Zeit mit dem B!tch!ng/Protest auf. Denn sie haben auch ein Recht darauf, geschlagen zu werden!”
  • Witali Milonow: „Eine Feministin ist keine Frau. Eine Feministin ist ein verrückter Affe, der den Hass auf Männer fördert.”

Das sind nur ein paar wenige Zitate, die täglich schockieren und ein Ende finden müssen.

Anonyme Umfrage zu sexueller Belästigung:

https://de.surveymonkey.com/r/Q5PQ52X                                                                                                   

Emotionale Manipulation – eine Betroffene berichtet:

„Es hat alles normal angefangen. Wir haben uns über Social Media kennengelernt und dann ein paar Mal getroffen. Ich war sofort von ihm angetan und schnell verliebt. Er hat mir das Gefühl gegeben, ich sei das wichtigste, schlauste und schönste Mädchen auf der Welt für ihn und, dass es für ihn niemand Besseren gibt als mich. Ich war der gleichen Meinung. Meine Eltern waren von Anfang an nicht begeistert von ihm, was es uns schwer gemacht hat uns zu treffen, zudem er weiter entfernt wohnte. Da ich mein Abitur machte und er Realschüler war, hat er weder verstanden noch akzeptiert, dass ich viel mit der Schule beschäftigt war. Es hat immer mit Kleinigkeiten angefangen. Erst war er sauer, dass ich nicht genug Zeit hatte, dann ist es immer schnell eskaliert. Ich wollte ihn nicht verlieren, also war Schule dann nur noch an zweiter Stelle. Meine Noten haben sich schnell verschlechtert. Irgendwann ist es dann soweit gekommen, dass ich nichts ohne ihn machen durfte. Er ist sofort ausgerastet und hat mich beleidigt, dass ich nichts wert wäre, dass ich der Grund bin, warum er so ist, dass ich Schuld bin und zwar an allem. Als ich einmal auf ein Konzert gegangen bin, war er außer sich. Ich hatte natürlich ein schlechtes Gewissen, weil ich das nicht wollte und hab ihn die ganze Zeit über versucht zu beruhigen und das Konzert fast nicht mitbekommen. Ich durfte nichts mehr in meine Instagram-Story posten, wo er nicht drauf war, weil er dann wieder enttäuscht von mir war. Jeden Abend und jeden Tag hab ich geweint, auch in der Schule, aber gleichzeitig hat er mir das Gefühl gegeben, ich sei der wichtigste Mensch für ihn und mir eingeredet, dass das alles normal ist. Ich wurde komplett kontrolliert, aber ich hab es einfach nicht gesehen. Irgendwann hatte er mich an einem Punkt, da war ich kurz davor die Schule zu schmeißen und mit ihm zusammen zu ziehen, weg von meiner Familie.

Es ist immer schwierig den Punkt zu erreichen, wo man Stopp sagt. Meine beste Freundin hat mir zum Glück die Augen geöffnet und mich da raus bekommen. Ich habe ein halbes Jahr lang versucht Schluss zu machen und hab es dann auch endlich geschafft und auch da hat er mich mitten auf der Straße in aller Öffentlichkeit angeschrien und gedemütigt.

Es ist schwierig zu erklären und zu beschreiben, wie sowas abläuft und vor allem warum. Es gibt Menschen, die es drauf haben dich zu manipulieren. Sie geben dir das, was du willst, das mindeste bisschen Aufmerksamkeit, Komplimente…, aber wenn ihnen was nicht passt, dann ist Schluss mit lustig. Ich hab oft darüber nachgedacht mir selbst etwas anzutun, weil ich dachte, dass ich das tun müsste um mich zu bestrafen, weil ich ihn sauer gemacht und enttäuscht habe. Er hat mir eingeredet, dass ich psychisch krank wäre und ich in die Psychiatrie gehöre. Er hat mich gedrängt mit ihm zu schlafen, was ich letztendlich nie getan habe, aber er hat mich angefasst, obwohl ich Nein gesagt und geweint habe. Er hat es geschafft mich zu Sachen zu drängen, die ich nicht machen wollte und mich danach komplett links liegen lassen. Ich war ihm schlichtweg egal.

Ich teile meine Geschichte um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, um andere davor zu bewahren und die nicht Betroffenen dazu aufzurufen auf ihre Mitmenschen zu achten. Immer wieder werden viele Menschen und besonders Frauen Opfer solcher emotionaler Manipulationen und toxischen Beziehungen etc., die es zu verhindern gilt.” (Anonym)

M. Zorr und V. Ibach / Amnesty AG

 

Quellen:

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